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26.09.2014

MDK nimmt neues Verfahren zur Pflegebegutachtung unter die Lupe

Vieles soll besser, einiges einfacher, vor allem aber sollen die Bedürfnisse der Pflegenden durch die von der Bundesregierung beschlossene Pflegereform besser berücksichtigt werden. Ob dem so ist, testen Gutachter des Medizinischen Dienstes in den nächsten Wochen und Monaten. In Baden-Württemberg sind die Tests bereits gelaufen. Im Visier hatten sie ein neues Verfahren zur Pflegebegutachtung.

Die Bilanz in Baden-Württemberg fällt positiv aus. "Die neue Systematik bildet Alltagswirklichkeit und Hilfebedarf pflegebedürftiger Menschen künftig deutlich besser ab", sagt der Geschäftsführer des Baden Württembergischen Dienstes, Erik Scherb. Hintergrund der überarbeiteten Pflegereform ist es, dass es statt wie bisher drei künftig fünf Pflegestufen geben wird. "Gerade mit der Neudefinition der Pflegebedürftigkeit erwartet uns ein umfassender Perspektiven- und Paradigmenwechsel", betont Scherb.

Durch diesen ganzheitlichen Blick auf den Menschen wird sich die Pflegebegutachtung grundsätzlich verändern. Wurde bislang immer darauf geschaut, wie viele Minuten Pflege der Patient benötigt, soll künftig das Augenmerk darauf liegen, was er noch selbstständig erledigen kann. Auch die gesellschaftliche Teilhabe rückt in den Fokus. Auf diese Weise könnten kognitive und psychische Einschränkungen besser berücksichtigt werden, meint der leitende Arzt des MDK Dr. Matthias Mohrmann.

Das neue Verfahren soll nun umfassend in der praktischen Anwendung getestet werden. Den Anfang machte der Dienst in Baden Württemberg. Dort sind die Tests bereits abgeschlossen. Insgesamt werden 86 Gutachter aller Medizinischen Dienste bundesweit 1.720 Erwachsene und 300 Kinder nach den neuen Regeln begutachten. Um Vergleichsmöglichkeiten zu haben, werden auch die bisherigen Regeln angewandt.

Die Gutachter machten in Baden-Württemberg gute Erfahrung wie Dr. Waltraud Hannes, Leiterin des Fachbereichs Pflege beim MDK, sagt: "Die Befragung des Versicherten und seiner Pflegepersonen nach den neuen Vorgaben gestaltet sich wertschätzender und näher an der Alltagswirklichkeit. Im Verlauf der Begutachtung entspannte sich die Atmosphäre für alle Beteiligten." Das Leben der Pflegebedürftigen wird damit nicht mehr allein auf Körperpflege, Ernährung und Mobilität reduziert. Um den Grad der Selbstständigkeit zu ermitteln, können die Gutachter das Alltagsleben und soziale Kontakte angemessen würdigen. Krankheitsbedingte Veränderungen, die bislang meist als erstes angesprochen wurden, sowie Hilfen durch Angehörige und andere Pflegepersonen werden in zukünftigen Gutachten ebenfalls adäquat berücksichtigt. Auch die Begutachtung von Kindern gestaltet sich wesentlich wertschätzender, da Therapiemaßnahmen, die die Eltern zu Hause durchführen, gewertet werden.

Anfang 2015 sollen alle Ergebnisse des Modellprogramms vorliegen. Im Anschluss daran beginnen die gesetzgeberischen Arbeiten sowie die praktische Umsetzung. Durch die Tests erfahre man auch, an welchen Stellen das neue Regelwerk noch nachgebessert werden muss.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Susanne Wächter.