Aktuelle Nachrichten

12.02.2016

Mehr Patientensicherheit durch altersgerechte Medikamentenverordnungen

Wenn ältere Patienten Medikamente einnehmen, die als nicht altersgerecht gelten, steigt ihr Risiko für einen Krankenhausaufenthalt deutlich. Das zeigt eine neue Studie auf der Basis von anonymisierten Krankenkassendaten von knapp 400.000 Senioren.

Medikamente, die als nicht altersgerecht gelten, stehen in Deutschland seit 2010 auf der sogenannten Priscus-Liste. Die Liste umfasst Wirkstoffe und Arzneimittelklassen, für die ein erhöhtes Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei älteren Menschen beobachtet wurde. Neben- und Wechselwirkungen treten vor allem dann auf, wenn ältere Menschen mehrere Medikamente einnehmen müssen. Deshalb sollen Ärzte ihren älteren Patienten Medikamente von der Priscus-Liste möglichst nicht verordnen. Das bestätigt die aktuelle Studie.

Für die Studie wurden zwei Gruppen von Patienten verglichen, die jeweils eine alterstypische Basismedikation erhalten hatten. "Die erste Gruppe, die Priscus-Medikamente zu sich nahmen, hatte ein um rund 38 Prozent (37,8%) erhöhtes Risiko, sich im Krankenhaus behandeln lassen zu müssen", sagt Studienautor Dr. Heinz Endres vom AQUA-Institut. Die Patienten in der Vergleichsgruppe hatten Medikamente verschrieben bekommen, die für Ältere als besser verträglich gelten. Insgesamt sind die anonymisierten Daten von mehr als 392.000 gesetzlich Krankenversicherten über 65 Jahre in die Studie eingeflossen. Berücksichtigt wurden Krankenhauseinweisungen innerhalb von sechs Monaten nach dem erstmaligen Abholen eines Arzneimittels in der Apotheke.

Endres weiter: "Auch wenn die Studie nicht umfassend alle Gründe für die Krankenhauseinweisungen untersuchen konnte und sie insofern eine Unschärfe beinhaltet, zeigen die Ergebnisse dennoch zumindest eine deutliche Tendenz auf, dass alterstypische Komplikationen bei Einnahme von Priscus-Medikamenten nicht zu vernachlässigen sind." Sein Appell an die Ärzte: "Aus unserer Sicht sollten die behandelnden Ärzte deshalb die Empfehlungen der Priscus-Liste bei ihrer Therapieentscheidung berücksichtigen, da dies zu einer verbesserten Arzneimittel- bzw. Patientensicherheit beiträgt."

Dieser Beitrag wurde erstellt von Angela Mißlbeck.