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12.07.2018

Mindestlohn bringt höhere Stundenlöhne, aber Monatsentgelte stagnieren

Die Stundenlöhne steigen dank des Mindestlohns für die anspruchsberechtigten Beschäftigten. Doch die Monatsentgelte stagnieren, weil die Arbeitszeit vielerorts zurückgegangen ist. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Insgesamt hätten sich mit dem Mindestlohn Einkommen und Lebensunterhalt von Niedriglohnbeschäftigten nicht spürbar verbessert.

Insbesondere niedrige Stundenlöhne sind seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland im Jahr 2015 gestiegen, heißt es in der Studie, die gemeinsam mit der Universität Potsdam erstellt wurde. Die Untersuchung zeigte, dass tatsächlich der Mindestlohn der Hauptgrund dafür war, dass die Löhne im unteren Segment nach oben gingen.

In Regionen mit hohem Anteil an Niedriglohnbeschäftigten vor 2015 sollte der Mindestlohn besonders starke Wirkung entfalten, so die logische Annahme. "Gerade in diesen Regionen ging aber die Einführung des Mindestlohns auch mit einem besonders starken Rückgang der Arbeitszeit der Beschäftigten mit niedrigen Löhnen einher", konstatieren die Autoren. Die vertragliche Arbeitszeit sank bei den 20 Prozent Beschäftigten mit den niedrigsten Löhnen in diesen Regionen zwischen 2014 und 2015 um rund eine Stunde. Folglich nahm der Bruttomonatsverdienst in dieser Gruppe nur um etwa zwei Prozent zu. Die Stundenlöhne stiegen dagegen um beinahe sechs Prozent an.

Möglich sei, dass die Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine Reduzierung der Arbeitszeit aufgezwungen haben, um die gestiegenen Arbeitskosten einzufangen. Eine andere Erklärung könnte sein, dass einige Beschäftigte freiwillig unter bestimmten Einkommensgrenzen bleiben wollen, die etwa im Zusammenhang mit Minijobs gelten.

Der Mindestlohn kann seine Ziele nicht erreichen, wenn die gestiegenen Stundenlöhne nicht auch höhere Bruttomonatsverdienste mit sich bringen, fassen die Wissenschaftler zusammen. Gegensteuern könnte man mit verschärften Kontrollen der Einhaltung des Mindestlohns, aber auch einer Nachjustierung bei den Arbeitszeitaufzeichnungspflichten: "Diese Informationen sollten bei Prüfungen vor Ort - also zum Beispiel auf Baustellen - direkt vorliegen, was im Moment nicht der Fall ist."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.