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09.04.2019

Acht Millionen Beschäftigte arbeiten zu Niedriglöhnen

Der Niedriglohnsektor in Deutschland ist größer als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Grundlage von Daten einer repräsentativen Langzeitbefragung. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs stagniert er bei rund acht Millionen abhängig Beschäftigten, die für ihre Haupttätigkeit einen Niedriglohn erhalten.

Als Niedriglohn definiert das DIW Bruttostundenlöhne, die geringer als zwei Drittel des Medianstundenlohns aller Beschäftigten in Deutschland sind. 2017 betrug dieser rund 16,20 Euro. Die Niedriglohnschwelle lag demnach folglich bei 10,80 Euro und damit über dem gesetzlichen Mindestlohn. Dieser habe zwar dazu beigetragen, dass die Löhne im unteren Bereich der Lohnverteilung gestiegen sind. Am Umfang des Niedriglohnsektors habe das aber nichts Wesentliches verändert, sagt Markus Grabka, Co-Autor der Untersuchung.

Rechnet man auch Nebentätigkeiten ein, wie es die Wissenschaftler aufgrund der Verfügbarkeit der Daten nun erstmals taten, gab es mehr als neun Millionen Beschäftigungsverhältnisse unter der Niedriglohnschwelle. Europaweit sei dieser Anteil einer der größten - und stagniere seit 2008. Im Vergleich zu 1995 arbeiteten 2017 rund drei Millionen Beschäftigte mehr für einen Niedriglohn in ihrer Haupttätigkeit, errechneten die Wissenschaftler.

Einige Personengruppen arbeiten häufiger zu Niedriglöhnen als andere: Unter den abhängig Beschäftigten sind dies 30 Prozent aller Frauen, 56 Prozent der unter 25-Jährigen, 34 Prozent der Ostdeutschen und über 30 Prozent der Beschäftigten mit Migrationshintergrund. Des Weiteren zeigte sich, dass für drei Viertel der Minijobs ein Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle bezahlt wird.

Hier sehen die Autoren einen Ansatzpunkt: Sie plädieren für eine Absenkung der Verdienstgrenze von Minijobs, da sie davon ausgehen, dass diese dann verstärkt in sozialversicherungspflichtige Teil- oder Vollzeittätigkeiten umgewandelt werden. Außerdem sollte ihrer Auffassung nach eine offensivere Lohnpolitik betrieben werden: "Insbesondere sollte versucht werden, in nicht-tarifgebundenen Bereichen zu kollektiven Tarifvereinbarungen zu kommen."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.