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06.05.2019

Gute Arbeit im Großraumbüro ist kein Selbstläufer

Der Trend geht zum Großraumbüro. Auf offenen Gemeinschaftsflächen sind die Wege kürzer und die Kommunikation einfacher, so die häufige Annahme. Fehlen jedoch Rückzugsorte und durchdachte Begegnungsräume, können Kreativität, Konzentration und Wohlbefinden darunter leiden, warnt die Beratung CSMM. Sie empfiehlt, die Mitarbeiter frühzeitig in entsprechende Planungen einzubinden.

CSMM bezieht sich unter anderem auf Untersuchungen der Harvard University, nach der der Wechsel in den sogenannten Open Space die direkten Gespräche unter den Mitarbeitern um bis zu 70 Prozent reduzieren kann. Die Nutzung von E-Mail- und Messenger-Diensten nahm gleichzeitig um 20 bis 50 Prozent zu. Beschäftigte, die sich nicht zurückziehen können, würden andere Strategien entwickeln, um sich Privatheit zu verschaffen, schrieben die Wissenschaftler.

Falsch sei, für ein Großraumbüro "einfach die Wände herauszureißen", sagt CSMM-Geschäftsführer Timo Brehme. Es brauche ausreichend Platz für jeden Mitarbeiter, Rückzugsorte, Gemeinschaftsflächen, mobile IT-Technik und flexible Raumsysteme. Würden sie bei der Planung nicht berücksichtigt, könne man diese Mankos später nur selten durch nachträgliche Lärmdämmung oder Schönheitskorrekturen beheben.

Daher plädiert Brehme dafür, die Mitarbeiter von Anfang an in den Change-Prozess einzubeziehen. Sie sind es, die später produktiv in der neuen Umgebung arbeiten sollen. "Wenn die Entscheidung zum Großraumbüro von oben durchgesetzt wird, kommt es oft zu Problemen." Vom Einzelbüro in den Open Space sei es eine "kulturelle 180-Grad-Wende." Konkret wird unter anderem empfohlen, rechtzeitig in jeder Abteilung Mitarbeiter zu identifizieren und gemeinsame Workshops durchzuführen. Auch der Betriebsrat sollte einbezogen werden.

Die Flächenreduktion sollte dagegen nicht in den Mittelpunkt gestellt werden: "In einer offenen Bürolandschaft braucht es zusätzliche Mehrwert- und Kollaborationsflächen. Nur mit ihnen lassen sich tatsächlich Arbeitsabläufe optimieren und Kommunikation beschleunigen." Darüber hinaus sei der Umbau nicht der neue Status quo. Agile Arbeitsweisen und Arbeitsorganisationen bräuchten agile Räume - und damit flexible Raumsysteme.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.