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17.05.2019

Praxisnah und attraktiv - Berufsorientierung neu gestalten

Laut der jüngsten Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sind aktuell in 17.000 Firmen keine Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz eingegangen. Größtes Ausbildungshindernis sei, dass viele Schulabgänger von manchen Berufsbildern nur unklare Vorstellungen hätten.

Die Umfrageergebnisse des DIHK gehörten zu den Erörterungsgrundlagen einer Anfang Mai erfolgten Sitzung der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" mit einer Sachverständigen-Anhörung zum Thema "Motivationsfaktoren für eine erfolgreiche berufliche Aus- und Weiterbildung".

Aus Sicht der Arbeitgeber müsse die Berufsorientierung weiter ausgebaut und zudem praxisnäher werden. So sollten z. B. Gymnasien die Job-Perspektiven in der beruflichen Bildung stärker thematisieren. Unternehmen suchten mittlerweile etwa gezielt nach Studienabbrechern und 16 Prozent der Betrieb versuchten darüber hinaus, durch besondere Anreize für Bewerber attraktiver zu werden, beispielsweise durch eine höhere Ausbildungsvergütung oder mehr Urlaubstage.

Außerdem könnten inzwischen drei von vier Auszubildenden damit rechnen, von den Firmen übernommen zu werden, was statistisch den höchsten Wert seit zwei Jahrzehnten darstelle. Hinzu kämen Angebote wie die Möglichkeit eines dualen Studiums oder einer Kombination von Ausbildung und Fortbildung. Da 80 Prozent der ausbildungsberechtigten Unternehmen auch tatsächlich ausbildeten, sei die duale Ausbildung ein zentrales Element für die Fachkräftesicherung und bilde daher einen "Grundpfeiler für die Stärke des deutschen Wirtschaftssystems".

So müsse es an allen Schulformen und flächendeckend eine ergebnisoffene Studien- und Berufsorientierung geben, um Jugendliche besser über die Entwicklungsmöglichkeiten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu informieren - und sie nachhaltig bei der Auswahl eines Ausbildungsweges zu unterstützen, der den eigenen Neigungen und Fähigkeiten am besten entspreche. Dies setze allerdings auch eine adäquate Schulung der Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen voraus.

Abschließend weisen die Experten auf einen nach wie vor entscheidenden Faktor für die Job-Wahl der Jugendlichen hin: "Die Eltern sind das A und O bei der Berufsorientierung." Und das, obwohl "die berufliche Bildung einem ständigen Veränderungsprozess unterliege - und damit auch die motivierenden Faktoren." Den Arbeitgebern werde in diesem Zusammenhang eine regelmäßige Qualifikationsanalyse empfohlen, um besondere Fähigkeiten der Beschäftigten herauszufinden, die bisher im Job nicht genutzt werden konnten, weil einfach niemand davon wusste.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.