Sozialpolitischer Kommentar

Zäher Kampf um verdienten Lohn

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Schließen Praxen bald aus MFA-Mangel? Diese Frage stellte der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VmF) kürzlich in einer Pressemeldung.

Hintergrund war der anstehende Auftakt zur dritten Tarifrunde für die Medizinischen Fachangestellten. Es geht es vor allem um mehr Geld für die Arbeit im ambulanten Bereich. MFA würden vielfach bezahlte Stellen in Kliniken annehmen, weil dort das Einkommen deutlich höher sei, klagte der VmF. In den Praxen erhielten Berufsanfänger in Tätigkeitsgruppe I 1.725,00 EUR, Krankenhäuser boten nach Tarifvertrag im öffentlichen Dienst als Einstiegsgehalt in der vergleichbaren Gruppe E5 seit Juli 2.249,00 EUR.

Seit Monaten ziehen sich die Verhandlungen zwischen der Arbeitsgemein­schaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fach­an­ge­stellten (AAA) auf Arbeitgeberseite und dem VmF hin. Strittig sind eine geforderte Gehaltserhöhung von sechs Prozent sowie der Auszahlzeitpunkt des 13. Monatsgehaltes.

Wie eine Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) zu 2015 zeigt, erhalten bereits 91 % der MFA im Schnitt höhere Bruttogehälter als im Tarifvertrag verankert. Der Knackpunkt ist jedoch, dass man sehr viele Jahre dabei sein muss, um in den Genuss der Erhöhungen zu kommen. Erst ab 17 Jahren Arbeit als MFA und entsprechenden Zusatzqualifikationen zahlen die Praxen je nach Tätigkeitsgruppe im Schnitt 101,00 EUR bis 154,00 EUR mehr.

Ob tatsächlich bald Praxen schließen müssen, weil sie keine qualifizierten Mitarbeiter mehr finden, ist fraglich. Schließlich spielen bei Arbeitsplatzentscheidungen neben dem Gehalt Fortbildungschancen, Zuschläge und ein gutes Arbeitsklima im kleinen Team eine Rolle. Eng werden mit dem Nachwuchs könnte es tatsächlich auf dem Land, dem qualifizierte Menschen schon jetzt zunehmend den Rücken kehren. Allerdings schließen hier auch ganze Praxen, weil sie keinen ärztlichen Nachfolger mehr finden.  

Ein großzügiges Zugeständnis seitens der Arbeitgeber wird vielleicht nicht gänzlich die Verlagerung in Richtung Klinik stoppen, aber vielleicht wird sich die Suche nach der „Praxisperle“ dann erfolgreicher gestalten als derzeit, wo allein in Berlin Hunderte freie Stellen angeboten werden. 

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