Thema der Woche

14.08.2017

Flexi-Rente - und das Krankengeld?

Bisher war es ganz einfach: Wer eine volle Erwerbsminderungsrente oder eine Vollrente wegen Alters aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezieht, hat aus einer daneben ausgeübten Beschäftigung keinen Anspruch auf Krankengeld für den Fall der Arbeitsunfähigkeit. Daran hat sich auch nichts geändert.

Geändert haben sich allerdings die Vorschriften für die Gewährung der Vollrente wegen Alters. Durch die Flexi-Rente besteht die Möglichkeit statt der Vollrente nur eine Teilrente wegen Alters zu erhalten und dafür nebenbei versicherungspflichtig zu arbeiten. Solange der Beschäftigte noch nicht die Regelaltersgrenze erreicht hat, besteht ein Anspruch auf Krankengeld, wenn die Krankheit ihn arbeitsunfähig macht und die Entgeltfortzahlung ausgelaufen ist.

Und jetzt wird es schwierig! Die Frage nämlich, ob der Beschäftigte eine Teilrente oder eine Vollrente wegen Alters erhält, ist unter anderem von der Höhe des erzielten Einkommens abhängig. War bisher allenfalls eine geringfügige Beschäftigung mit einem Entgelt von monatlich nicht mehr als 450,00 EUR zulässig, liegt der Grenzwert jetzt höher, nämlich bei 6.300,00 EUR jährlich.

Die endgültige Festlegung der Rentenhöhe erfolgt neuerdings erst im Nachhinein. Schätzt der Rentner, dass sein Einkommen über 6.300,00 EUR jährlich liegen wird, erhält er nur eine Teilrente - und damit Anspruch auf Krankengeld. Stellt sich später heraus, dass das Einkommen doch niedriger lag, wird die Rente rückwirkend in eine Vollrente umgewandelt. Das gilt auch dann, wenn das geringere Einkommen durch eine Arbeitsunfähigkeit mit Krankengeld zustande gekommen ist. Denn das Krankengeld zählt in diesem Sinne nicht als Einkommen. Wird aber die Rente rückwirkend in eine Vollrente umgewandelt, entfällt damit zugleich - ebenfalls rückwirkend - der Anspruch auf Krankengeld.

Umgekehrt geht es natürlich auch: Zunächst wird eine Vollrente gezahlt, später stellt sich heraus, dass das Einkommen doch höher gewesen ist und es erfolgt eine rückwirkende Umwandlung in eine Teilrente. Bestand in dem Kalenderjahr eine Arbeitsunfähigkeit ohne Entgeltfortzahlung, würde theoretisch rückwirkend auch ein Anspruch auf Krankengeld entstehen. Dieser kann allerdings wegen der weiteren Voraussetzungen, beispielsweise der rechtzeitigen Meldung der Arbeitsunfähigkeit und Krankengeldantrag bei der Krankenkasse, in aller Regel nicht realisiert werden.

Solche rückwirkenden Änderungen werden sich in der Praxis nicht immer vermeiden lassen. Allerdings können die Rentenbezieher bei einer unterjährigen Veränderung eine Überprüfung der Rentenzahlung vom Rentenversicherungsträger verlangen. Voraussetzung ist, dass die Einkommensänderung mindestens zehn Prozent beträgt.

Die Zukunft wird zeigen, in welcher Größenordnung diese Probleme auftauchen werden.


Um auf die weiteren Seiteninhalte Zugriff zu erhalten, melden Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten an oder nutzen Sie unseren vierwöchigen Gratistest.

Die vorangegangenen Themen der Woche finden Sie in unserem:
Archiv - Thema der Woche