Thema der Woche

22.05.2017

Krankenstand

Ein wesentliches Kriterium bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung, aber auch der Belegschaft eines Unternehmens, ist der Krankenstand. Unter Krankenstand versteht man den krankheitsbedingten Arbeitsausfall bei Arbeitnehmern.

Dabei wird die Krankheitszeit der Soll-Arbeitszeit gegenübergestellt. Wer die veröffentlichten Statistiken regelmäßig verfolgt wird feststellen, dass die darin genannten Werte zum Teil erheblich voneinander abweichen. Das liegt an der unterschiedlichen Ermittlung des Krankenstandes bzw. an den unterschiedlich verfügbaren Daten.

Beispiel:

Ein Unternehmen berücksichtigt alle krankheitsbedingten Fehltage im Unternehmen und setzt diese ins Verhältnis zur Soll-Arbeitszeit. Dabei werden auch Krankheitstage ohne ärztliches Attest einbezogen. In den meisten Unternehmen muss eine ärztliche Bescheinigung erst vorgelegt werden, wenn die Krankheit länger als drei Tage andauert.

Die Krankenkasse setzt die gemeldeten Arbeitsunfähigkeitstage ins Verhältnis zu den Versicherungstagen. Schon daran wird der Unterschied deutlich: Nicht gesetzliche krankenversicherte Arbeitnehmer, also privat versicherte oder Minijobber, bleiben unberücksichtigt. Gleiches gilt für die kurzfristigen Erkrankungen für die es keine ärztliche Bescheinigung gibt. Davon erfährt die Krankenkasse in der Regel gar nichts.

Jede Krankenkasse veröffentlicht zudem die Daten ihrer Versicherten. Je nach Struktur der Mitglieder hinsichtlich Alter und Beruf kann der Krankenstand sehr unterschiedlich sein. So ist beispielsweise der Krankenstand im öffentlichen Dienst traditionell deutlich höher als der Durchschnitt, während er in der IT-Branche wesentlicher niedriger liegt.

Zur Verwirrung trägt dann noch die offizielle staatliche Statistik des Gesundheitsministeriums bei. Diese ist nämlich stichtagsbezogen und berücksichtigt nur die am 1. jeden Monats gemeldeten Krankheitsfälle. Diese Statistik hat allerdings den Vorteil, dass sie die Daten aller Krankenkassen einbezieht.

Die Entwicklung des Krankenstandes - gleichgültig auf welcher Datenbasis - ist aber in der Tendenz einheitlich. Dabei spielen Faktoren wie die wirtschaftliche Entwicklung und die Arbeitslosenquote eine große Rolle. Es hat sich gezeigt, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bei gefährdeten Arbeitsplätzen der Krankenstand rückläufig ist. Bei konjunkturellen Hochphasen mit geringer Arbeitslosigkeit hingegen bleiben die erkrankten Mitarbeiter eher einmal mehr zu Hause. Das bedeutet nicht, dass sie nicht wirklich krank sind, aber in schlechten Zeiten begeben sich manche Arbeitnehmer eher zur Arbeit um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Ob dem Unternehmen damit gedient ist, sei dahingestellt.

Hier zur Übersicht die Entwicklung des Krankenstandes in den letzten Jahren nach der offiziellen Statistik des Bundesgesundheitsministeriums.


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