Thema der Woche - 43. KW

Die Krankenversicherung nach Erreichen des 55. Lebensjahrs

In der Sozialversicherung gibt es eine ganze Reihe der unterschiedlichsten Altersgrenzen. Am bekanntesten sind die Grenzen für die kostenfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung von 18 Jahren bzw. von 25 Jahren bei Schülern und Studenten. Auch die Vollendung des 30 Lebensjahres, als Grenze für die günstige Krankenversicherung der Studenten, ist vielleicht noch geläufig. Bekannt ist natürlich die Grenze für das Altersruhegeld von bisher 65 Jahren, die ja gerade sukzessive verlängert wird.

Weniger bekannt, aber deshalb nicht von geringerer Bedeutung ist das 55. Lebensjahr in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei handelt es sich nämlich um einen "point of no return", also den Punkt ohne Rückkehr. Und das ist wörtlich zu nehmen. Wer 55 Jahre alt ist, dem ist in der Regel die Rückkehr von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung endgültig versperrt.

Wer krankenversicherungsfrei ist, etwa als Arbeitnehmer mit einem Entgelt über der Versicherungspflichtgrenze (2011 = 49.500,00 EUR) kann sich entweder in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig weiterversichern oder in eine private Versicherung wechseln. In der Vergangenheit wurde dann allerdings im Alter, mit steigenden Beiträgen in der privaten Assekuranz, gern der Rückweg in die gesetzliche Kasse angetreten. Das widerspricht allerdings dem Solidaritätsgedanken der gesetzlichen Krankenversicherung. Denn danach zahlen junge, gesunde und gut verdienende für die älteren, kranken und gering verdienenden Mitglieder mit. Dieses Prinzip wird durchbrochen, wenn sich Mitglieder während ihrer jungen Jahre mit hohem Einkommen zu geringen Beiträgen privat versichern, dann im Alter aber wieder zurückkehren und nun die Solidarität der anderen Mitglieder in Anspruch nehmen, ohne selbst dazu beigetragen zu haben.

Aus diesem Grund wurde die Rückkehr aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung nach Vollendung des 55. Lebensjahres nahezu ausgeschlossen.

Personen, die nach Vollendung des 55. Lebensjahres  durch eine Beschäftigung krankenversicherungspflichtig werden würden, bleiben trotzdem versicherungsfrei, wenn sie

  • in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht nicht gesetzlich krankenversichert waren (weder pflicht-, freiwillig noch familienversichert) und
  • mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei beschäftigt (Entgelt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze), von der Versicherungspflicht befreit oder wegen einer hauptberuflichen selbstständigen Tätigkeit nicht versicherungspflichtig waren. 

Mit diesen Einschränkungen ist sichergestellt, dass nicht jemand von der Versicherungspflicht ausgeschlossen wird, der etwa erst mit 55 Jahren nach Deutschland kommt um hier erstmalig eine Beschäftigung aufzunehmen. Betroffen sind aber beispielsweise Arbeitnehmer, die wegen Verringerung der Arbeitszeit (z. B. bei Altersteilzeit) mit ihrem Entgelt unter die Versicherungspflichtgrenze rutschen. Gleiches gilt für Selbstständige, die ihre selbstständige Tätigkeit aufgeben (müssen) und eine eigentlich versicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen.

Wichtig!
Dieser Ausschluss der Versicherungspflicht betrifft nur die Kranken- und damit mittelbar auch für die Pflegeversicherung. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung besteht gleichwohl Versicherungspflicht.

Themen der Woche 2011

    Themen der Woche 2010