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11.09.2019

Rechtliche Fallstricke in Bewerbungsgesprächen umgehen

Bei Bewerbungsgesprächen sind rechtlich einige Besonderheiten zu beachten. So müssen etwa bestimmte Fragen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Zur Vorbereitung dürfen Personaler zudem keineswegs sämtliche öffentlich zugänglichen Quellen auswerten, um sich über Bewerber zu informieren. Darauf weist Arbeitsrechtsexpertin Katharina Schumann von der Kanzlei Lehner & Kollegen hin.

Im Interview mit der Jobbörse Careerbuilder berichtet sie, dass Personaler in einem Bewerbungsgespräch zwischen dem betrieblichen Informationsinteresse des Arbeitgebers und dem Persönlichkeitsrecht des Kandidaten abwägen müssen. Daher kommt es beispielsweise in der Regel nicht infrage, diesen nach einer Gewerkschafts-, Religions- oder Parteizugehörigkeit zu fragen. Werden solche Fragen doch gestellt, kann der Bewerber unter Umständen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld klagen.

Auch bei über Dritte gewonnenen Informationen ist Vorsicht geboten. Ergebnisse von Suchmaschinen-Abfragen sind üblicherweise noch zulässig, sofern die Inhalte nicht erkennbar unzulässig ins Netz gestellt wurden. Nachfragen aufgrund solcher Informationen müssen aber einem berechtigten betrieblichen Interessen dienen oder einen relevanten Bezug zur geplanten Tätigkeit haben. Soll damit eine unzulässige Frage wie etwa nach der Familienplanung gestellt werden, dürfen diese Informationen nicht verwendet werden, so Schumann weiter.

Bei sozialen Netzwerken muss unterschieden werden: Sind diese wie Xing oder Linkedin eher beruflicher Natur, ist die Recherche erlaubt. Nicht aber, wenn sie wie beispielsweise Facebook oder Instagram vorwiegend privaten Zwecken dienen.

Die Arbeitsrechtsexpertin weist außerdem darauf hin, dass Personaler bestimmte Fragen wahrheitsgemäß beantworten müssen. Sie haben den Bewerber beispielsweise über Unfall- und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz sowie über Leistungsanforderungen, die über der Norm liegen, aufzuklären. "Insbesondere muss der Arbeitgeber Fragen wahrheitsgemäß beantworten, die das Leistungs- und Integritätsinteresse des Bewerbers betreffen." Das können etwa Fragen nach einem bereits absehbaren Stellenabbau oder nach akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten sein.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.