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19.12.2019

Viele Geflüchtete ziehen Helfertätigkeit einer Ausbildung vor

Bei der Einstellung von Geflüchteten liegen kleine und mittlere Unternehmen absolut gesehen vorne - nicht zuletzt, weil sie 99 Prozent der knapp 2,2 Millionen Betriebe in Deutschland ausmachen. Oftmals streben diese Arbeitnehmer aber Helfertätigkeiten an. Um den langfristigen Fachkräftebedarf zu befriedigen, ist mehr Weiterbildung sowie eine gezielte Zuwanderung aus Drittstaaten erforderlich.

Das geht aus einem Report des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Demnach stellen kleine Betriebe mit einem Anteil von 74 Prozent den Löwenanteil an allen Betrieben, die 2017 mindestens eine Person eingestellt haben, die seit 2015 nach Deutschland geflüchtet ist. In Großbetrieben mit mindestens 250 Beschäftigten arbeitet zwar ein Drittel aller Beschäftigten, doch nur 12 Prozent der beschäftigten Geflüchteten: "Kleine und mittlere Betriebe beschäftigen also gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbeschäftigung einen überproportional hohen Anteil an Geflüchteten."

Oftmals liege zwischen der Ankunft der Geflüchteten in Deutschland und ihrem Eintritt in den Arbeitsmarkt aber ein langer Weg, berichten die Wissenschaftler. Hindernisse bilden unter anderem das notwendige Absolvieren von Sprachkursen sowie von Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen. Zudem versuchten Geflüchtete nicht selten, so schnell wie möglich Geld zu verdienen, um ihre Familien in der Heimat unterstützen zu können. Somit würden sie mehrheitlich für Helfertätigkeiten eingestellt.

Dieses kurzfristige Denken könne aber die mittel- und langfristigen Berufsperspektiven der Betroffenen stark einschränken. Eine berufliche Ausbildung verringere nicht nur die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, sondern sie steigere auch das durchschnittlich erzielte Lebenseinkommen.

"Um den langfristigen betrieblichen Fachkräftebedarf zu befriedigen, ist auf jeden Fall eine gezielte qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten erforderlich", resümieren die Wissenschaftler. Geflüchtete könnten jedoch zumindest perspektivisch einen starken Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten, wenn es besser als bisher gelänge, Aus- und Weiterbildung und Arbeitsmarktintegration zu verzahnen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.