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20.12.2019

10 Prozent mehr Lohn für Geringverdiener seit Einführung des Mindestlohns

Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, brachte der vor knapp fünf Jahren deutschlandweit eingeführte flächendeckende Mindestlohn deutlich positive Effekte für betroffene Arbeitnehmer - mit einem durchschnittlichen Lohnanstieg von etwa 10 Prozent.

Die befürchteten, doch nur sehr gering ausgefallenen Arbeitsplatzverluste nach Einführung des Mindestlohns Anfang 2015 betrafen laut Studie hauptsächlich den Bereich der Minijobs. Dort seien aber rund die Hälfte der entfallenen Jobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt worden. Nur wenige der betroffenen Beschäftigten hätten sich in dieser Zeit arbeitslos gemeldet. Mit negativen Beschäftigungseffekten müsse jedoch auch weiterhin gerechnet werden, mahnen die Forscher des IAB, etwa im Falle deutlicher Mindestlohnerhöhungen oder im Zuge einer möglichen Rezession.

Gemessen am Umsatz pro Beschäftigtem habe der Mindestlohn übrigens keine Auswirkung auf die Produktivität der Beschäftigten. "Die höheren Lohnkosten werden demnach nicht durch höhere Produktivität kompensiert", so die Expertenmeinung. "Ein mindestlohnbedingter Anstieg in der Arbeitsmotivation betroffener Beschäftigter ist nicht zu beobachten, obwohl der Lohn und die Entlohnungszufriedenheit deutlich gestiegen sind."

Allerdings herrsche unter Wissenschaftlern weiterhin Unklarheit darüber, in welchen Dimensionen sich die Umgehung des Mindestlohns bewege. "Das Ausmaß der Nichteinhaltung bleibt letztlich eine weitgehend offene Frage, die sich auf Grundlage der aktuellen Datenbasis nicht abschließend beantworten lässt", lautet das Resümee der Fachleute.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.