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10.01.2020

Studie: Wertschätzung im Privaten, Geringschätzung auf der Arbeit

Jeder zweite Deutsche erfährt Geringschätzung - und das vor allem in öffentlichen Bereichen wie an der Arbeitsstelle. Dagegen scheinen Familie und Freunde ein Hort der Wertschätzung zu sein. Je höher zudem das Einkommen und die Bildung einer Person sind, desto besser fällt die Wertschätzungsbilanz insgesamt aus. Das zeigt eine Studie der Universität Magdeburg.

Datengrundlage für die empirischen Analysen war eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe von 3.580 Personen in Deutschland aus dem Jahr 2016. Danach fühlen sich 93 Prozent der Menschen hierzulande in ihrem Alltag wertgeschätzt. Solche Erfahrungen sammeln sie vor allem im Familien- und Freundeskreis. 52 Prozent berichten aber auch von Geringschätzungen, die überwiegend in der Öffentlichkeit erlebt werden.

Die Forscher konnten bei der gefühlten Wertschätzung kaum Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund ausmachen. Es zeigte sich jedoch, dass Einkommen, Bildung und Erwerbsstatus große Auswirkungen haben können. Erstere wirken positiv auf die Wertschätzungsbilanz, je höher sie ausfallen. Offenkundig wurde auch, dass Arbeitslose weit weniger Wertschätzung und mehr Geringschätzung erfahren als Erwerbstätige.

"Wer sich für die ungleiche Verteilung von Wert- und Geringschätzung im alltäglichen gesellschaftlichen Miteinander interessiert, ist zumindest für Deutschland gut beraten, sich stärker der sozio-ökonomischen Ungleichheit zu widmen als der sozio-kulturellen Unterschiedlichkeit", kommentiert der Soziologe Christian Schneickert die Ergebnisse. Untersucht wurde darüber hinaus auch, welche Folgen Geringschätzung und Wertschätzung für die Betroffenen und die Gesellschaft haben: Sie wirken sich nicht nur auf die persönliche Lebenszufriedenheit aus, sondern auch auf die Zufriedenheit mit der Demokratie.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.