Aktuelle Nachrichten

22.01.2020

Top-Manager stehen Frauenquote besonders kritisch gegenüber

Seit 2016 müssen bestimmte Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent bei Neubesetzungen in Aufsichtsräten erreichen. Nun hat ein Forscherteam der Universitäten Mannheim und Göttingen untersucht, wer diese Quote in der Praxis unterstützt. Vor allem Männer im oberen Management lehnen die Quote demnach ab, während Frauen in diesen Positionen als Türöffner fungieren.

Die Studie basiert auf Daten von 2.544 Befragten aus dem März 2017 des German Internet Panels, einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung. Sie zeigt weiter, dass die Frauenquote in Aufsichtsräten unter alleinstehenden Frauen, die selbst in einer Führungsposition tätig sind, die höchste Unterstützung erfährt. Verheiratete Frauen und junge Männer unterstützen sie dagegen am geringsten.

Auf die stärkste Ablehnung stößt die Geschlechterquote bei jenen, die sich durch diese Maßnahme ausgegrenzt fühlen oder ihre zukünftigen Arbeitsmarktchancen gefährdet sehen, berichtet Professorin Céline Teney vom Institut für Soziologie der Universität Göttingen. So lehnten Männer im Top-Management die Quote stärker ab als Männer, die im mittleren Management tätig sind oder keine Führungsposition innehaben. Im Gegensatz dazu unterstützten Frauen, die selbst in einer Führungsposition tätig sind, die Quote besonders stark. Die Unterstützung bei beiden Geschlechtern steigt indes, wenn die Befragten selbst eine Ungleichbehandlung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wahrnehmen.

In einer weiteren Studie hat das Team die Einstellung der europäischen Bevölkerung zu Geschlechterquoten in Vorständen und Aufsichtsräten untersucht. Demnach variiert die Zustimmung zwischen den Mitgliedsstaaten der EU sehr stark. Während die Unterstützung in Zypern, Portugal und Malta besonders stark war, gab es aus Deutschland, Schweden und Dänemark die geringste Zustimmung. Ein Grund dafür könnte den Forschern zufolge die tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit in diesen Ländern sein: "Je höher die formelle Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf ökonomische, politische und soziale Aspekte in einem Land ist, desto niedriger ist die Zustimmung für eine Geschlechterquote."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.