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19.03.2020

Wer sich alt fühlt, neigt zum emotionalen Rückzug

Manch einer mag es für lustig halten, ältere Kollegen als weniger kompetent oder gar vergesslich hinzustellen. Die Verbreitung negativer Stereotype kann aber ganz reale Folgen haben, die gar nicht witzig sind. Wie eine neue Studie zeigt, fühlen sich Ältere, die sie verinnerlicht haben, nicht nur ausgeschlossen. Sie ziehen sich auch verstärkt zurück, was bis zur Frühpensionierung führen kann.

Arbeitnehmer ab 50 Jahren sind häufig mit negativen Stereotypen über ihre nachlassenden kognitiven Fähigkeiten konfrontiert. Sie können diese auf Dauer auch verinnerlichen - etwa, indem sie der Vorstellung zustimmen, dass die intellektuelle Leistungsfähigkeit im Alter abnimmt und sie selbst davon betroffen sind. Dass sich dies negativ auf ihre Leistung auswirken kann, haben bereits frühere Forschungen gezeigt.

Verinnerlichte negative Altersstereotype beeinflussen aber auch die Emotionen und die Motivation älterer Arbeitnehmer, berichten Wissenschaftler der Uni Basel: "So fühlen sie sich unsicher über ihre Zugehörigkeit am Arbeitsplatz." Datenbasis dieser Ergebnisse sind vier Online-Experimente und eine Gesamtanalyse mit insgesamt 1.306 Arbeitnehmern zwischen 50 und 76 Jahren. Je mehr die Betroffenen negative Altersstereotype verinnerlichten, desto weniger waren sie motiviert, mit den Arbeitskollegen soziale Kontakte aufzunehmen, und desto mehr zogen sie sich zurück.

Es hätte mehrere Vorteile, wenn gegengesteuert würde, erklärt Professor Dr. Jana Nikitin: Weniger negative Altersstereotype würde es älteren Arbeitnehmern zum einen ermöglichen, erfüllende soziale Kontakte am Arbeitsplatz zu pflegen. Zum anderen ließe sich so ihr berufliches Potenzial besser fördern. "Dies könnte wiederum zur Lösung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit den jüngsten demografischen Entwicklungen beitragen."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.