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23.04.2020

Ifo-Institut: Mindestlohn führte zu deutlichen Beschäftigungsverlusten

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kam Ende 2019 zu dem Ergebnis, dass die Einführung des Mindestlohns nur sehr geringe Arbeitsplatzverluste mit sich brachte. Beim Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) ist nun dagegen von "deutlich messbaren Verdrängungseffekten" die Rede. Die Beschäftigungsverluste bewegten sich zwischen 129.000 und 594.000 Arbeitsplätzen.

"Anhand der mittlerweile vorliegenden Evaluationsstudien lässt sich einigermaßen gut abschätzen, wie viel Arbeitsvolumen durch den Mindestlohn verdrängt wurde", berichtet Marcel Thum von der Ifo-Niederlassung Dresden. Ausschlaggebend sei die Verringerung der Arbeitszeit: "Wenn die Firmen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter reduzieren, sinkt das insgesamt geleistete Arbeitsvolumen." Gesamtwirtschaftlich handele es sich dabei ebenfalls um einen Beschäftigungsabbau.

Ursprünglich hatten Thum und seine Koautoren Beschäftigungsverluste zwischen 426.000 und 911.000 Stellen vorausgesagt. Dass weniger Arbeitsvolumen verdrängt wurde, sei auch auf die Umgehung des Mindestlohns zurückzuführen. In welchen Dimensionen er sich bewege, sei unter Wissenschaftlern weiterhin unklar, hatten bereits die Forscher vom IAB betont. Thum zufolge legten die Daten für 2016 jedenfalls nahe, dass nur 47 Prozent der Lohnerhöhung erfolgt ist, die man aufgrund der Einführung des Mindestlohns eigentlich hätten beobachten müssen.

Darüber hinaus habe der Mindestlohn nicht zur erhofften Einkommenserhöhung bei Geringverdienern geführt, heißt es in dem Ifo-Papier weiter: "Im ersten Jahr der Einführung des Mindestlohns machte die Arbeitszeitreduktion die Stundenlohnerhöhungen nahezu vollkommen wett." Auch diejenigen Mindestlohnempfänger, die im gleichen Umfang wie bisher arbeiten, hätten nicht viel vom Mindestlohn. Seine Bewährungsprobe steht nach Meinung der Autoren indes aber erst noch jetzt, in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, bevor: "Die bisherigen Ergebnisse geben dabei wenig Anlass zu Optimismus."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.