Aktuelle Nachrichten

04.05.2020

Was bei Geschäftsreisen in Zeiten von Corona zu beachten ist

Auch wenn Dienstreisen aufgrund der Corona-Pandemie derzeit auf ein Minimum reduziert sind: Manche lassen sich nicht ganz vermeiden. Was dabei zu beachten ist, erklärt Arbeitsrechtler Professor Dr. Michael Fuhlrott von der Hochschule Fresenius. So haben Arbeitgeber unter anderem geeignete Maßnahmen zu treffen, um ihre Mitarbeiter auch im Ausland zu schützen.

Ein allgemeines Unbehagen des Arbeitnehmers reicht nicht aus, um sich einer Geschäftsreise zu verweigern: Eine entsprechende Anweisung ist grundsätzlich vom Direktionsrecht des Arbeitgebers gedeckt. Es sollte aber im Einzelfall abgewogen werden, wie hoch das Risiko für den Arbeitnehmer ist. Bei besonders wichtigen Anlässen könne sogar die Anweisung zur Reise in eine "gefährdete Region" zulässig sein, erklärt Fuhlrott: "Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer aber natürlich schützen, etwa in dem er Sicherheitsmaßnahmen trifft und den Arbeitnehmer mit Verhaltensrichtlinien oder Schutzausrüstung versieht."

Will die Fluggesellschaft einen Blut-Schnelltest durchführen, wäre dies ein Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Der Arbeitnehmer kann sich weigern, diesen zu erdulden, und muss seinem Arbeitgeber auch gegebenenfalls anfallende Stornokosten nicht erstatten. Gesundheitsmaßnahmen geringeren Umfangs wie eine medizinische Befragung oder ein kontaktloses Fiebermessen seien vom Arbeitnehmer aber hinzunehmen.

Auch zu einer Impfung - wenn es denn einmal einen Impfstoff gibt - kann der Mitarbeiter nicht verpflichtet werden, solange keine Impfpflicht besteht. Selbst wenn der Arbeitnehmer sich weigert und später an COVID-19 erkrankt, muss der Arbeitgeber grundsätzlich Entgeltfortzahlung leisten. Zwar darf der Arbeitgeber gemeinsam mit dem Betriebsarzt gesundheitliche Aufklärung betreiben. Lässt sich ein Arbeitnehmer aber trotzdem nicht impfen, dürfen ihm daraus keine negativen Konsequenzen entstehen.

Bei Auslandsreisen ist außerdem zu beachten, dass der neue Arbeitsschutzstandard COVID-19 dort nicht greift. Er gelte für Betriebe in Deutschland, bei denen der Arbeitgeber die Möglichkeit hat, auf dessen Einhaltung hinzuwirken. "Im Ausland können die Vorschriften daher keine Geltung beanspruchen", betont Fuhlrott.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.