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05.05.2020

Digitaler Schub durch Corona-Krise ist bisher nicht nachhaltig

Führt die Corona-Krise zu langfristigen Veränderungen von Arbeitsformen? Eine Impulsbefragung der Beratungen Energy Factory St. Gallen und HRpepper zeigt zwar, dass New Work-Maßnahmen zum digitalen Arbeiten aktuell stärker eingesetzt werden. Ein kultureller Wandel in den Unternehmen ist aber bisher ausgeblieben.

Die Ergebnisse der Online-Befragung zeigten einen "starken Sprung" bezogen auf New Work: Es werden deutlich mehr virtuelle Teams gebildet und digitale Kommunikationsmöglichkeiten eingesetzt. Ansonsten wurden aber nur geringe Intensivierungen von modernen Arbeitsformen beobachtet. So ist die Gestaltung von Arbeitszeit und -ort in der Krise etwas flexibler und die Zusammensetzung von Teams geringfügig fluider. Eine verstärkte Anpassung der Arbeit auf individuelle Bedürfnisse des Mitarbeitenden gab es hingegen nicht.

Auch die Kultur der Unternehmen passt sich den veränderten Arbeitsbedingungen bisher kaum an. Unterschiede zur Zeit vor der Krise, wie stark inspirierend und visionär die Führung gestaltet oder die Vertrauenskultur ausgeprägt ist, konnten nicht festgestellt werden. Bei der Flexibilität der Strukturen, der Nutzung von agilen Methoden im Team und der Selbstkompetenz zur Arbeit in flexiblen Strukturen veränderte sich ebenfalls wenig.

Dass die aktuelle Situation herausfordernd ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der Befragung: Mehr als 20 Prozent gaben an, an ihrer Belastungsgrenze zu sein. Unterschiede - bezogen auf das Wohlbefinden - bei der Arbeit und außerhalb der Arbeit zeigten sich jedoch kaum. Den Beratern zufolge lasse sich das dadurch erklären, "dass zurzeit Grenzen zwischen Arbeit und Privatem besonders stark verschwimmen".

Unter dem Strich sei die Nachhaltigkeit der momentanen Bewegungen hin zu New Work fraglich. Bisherige Veränderungen seien fast ausschließlich zwangsläufiges Resultat der Corona-Beschränkungen. New Work lebe jedoch davon, dass die Maßnahmen von einer inspirierenden und vertrauensbasierten Kultur getragen werden. Hier zeige sich bisher aber keine Veränderung von Leadership, Kultur oder Kompetenzentwicklung. Somit ließen viele Unternehmen aktuelle Chancen ungenutzt.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.