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13.05.2020

Rasanter Anstieg der Krankenzahlen, aber kaum wegen Covid-19

Der Krankenstand der Mitglieder in Betriebskrankenkassen ist nach Angaben ihres Dachverbandes BKK im März 2020 auf einen neuen Zehn-Jahres-Höchstwert gestiegen. Mit 6,74 Prozent liege er "deutlich" über dem der Grippewelle im Februar 2018 mit 6,22 Prozent. Hauptgrund dürfte die Aufforderung von Politik und Wissenschaft gewesen sein, nicht mit Erkältungssymptomen zur Arbeit zu gehen.

Darauf deutet die starke Zunahme von Atemwegserkrankungen hin. Die Arbeitsunfähigkeits-Fälle (AU-Fälle) je 100 Beschäftigte sind zwischen Februar und März von 5,4 auf 7,4 gestiegen. Die damit verbundenen Fehltage erhöhten sich im gleichen Zeitraum von 34,57 auf 61,31 Arbeitsunfähigkeits-Tage je 100 Beschäftigte.

"Die Bevölkerung wurde in den letzten Monaten immer wieder aufgefordert, bereits mit leichten Erkältungssymptomen nicht zur Arbeit zu gehen und zur weiteren Ansteckungsvermeidung unter anderem eine AU-Bescheinigung telefonisch beim Hausarzt einzuholen", sagt Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes. Insofern gehe man davon aus, dass sich die Anzahl von Atemwegserkrankungen selbst nicht verändert habe. Vielmehr sei das als Präsentismus bekannte Phänomen, krank zur Arbeit gehen, stark zurückgegangen.

Eine konkrete Covid-19-Diagnose war dagegen selten Ursache für Fehlzeiten. Insgesamt sind bei den rund vier Millionen Beschäftigten, die als Mitglieder bei einer Betriebskrankenkasse versichert sind, im März 2.501 AU-Fälle im Zusammenhang mit einer solchen Diagnose aufgetreten. Die Betroffenen waren dabei im Schnitt knapp über neun Tage pro Fall krankheitsbedingt arbeitsunfähig. An der Anzahl der Gesamtfälle von Arbeitsunfähigkeit machen sie einen Anteil von etwa 0,3 Prozent aus.

Darüber hinaus zeigte sich, dass Beschäftigte in sogenannten systemrelevanten Berufen wie der Kranken- und Altenpflege oder in entsprechenden Branchen wie dem Gesundheits- und Sozialwesen stärker gefährdet sind. Sie wiesen mehr AU-Fälle und AU-Tage im Zusammenhang mit einer SARS-CoV2/Covid-19-Diagnose auf, als es beispielsweise bei Beschäftigten in produzierenden oder technischen Berufen der Fall war. Des Weiteren waren berufstätige Frauen im Durchschnitt häufiger betroffen als Männer.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.