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14.05.2020

Vorteile durch die Corona-Krise?

Krisen bieten immer auch Chancen: So könnte man die Ergebnisse einer Erwerbstätigen-Befragung der Uni Zürich in Deutschland und der Schweiz zusammenfassen. Demnach bringen viele Teilnehmer nun Arbeits- und Privatleben besser unter einen Hut als noch vor einem Jahr. Auch ihre Zufriedenheit und ihr Arbeitsengagement nahmen zu. Allerdings verringerten sich körperliche Aktivitäten und der Optimismus.

Für die Studie wurden im April 2020 knapp 600 Erwerbstätige befragt, die im Juni 2019 schon einmal Auskunft über ihre Arbeitsbedingungen, ihr Wohlbefinden sowie ihre Strategien zur Verbesserung von Arbeitssituation und Freizeit gaben. "Wir erwarteten eigentlich, dass sich Erwerbstätige jetzt in der Krise eher gestresster fühlen als zuvor", sagt Studienleiterin Rebecca Brauchli. Gezeigt habe sich überraschenderweise die gegenteilige Tendenz.

Zwar schätzten 29 Prozent ihr Arbeitsleben generell schlechter und nur elf Prozent besser als vor der Krise ein. Das deckte sich jedoch nicht mit den konkreten Ergebnissen der abgefragten Einzelaspekte. Sie zeigten, dass die Zufriedenheit mit Arbeits- und Privatleben höher ist als ein Jahr zuvor und beide Lebensbereiche als ressourcenreicher wahrgenommen werden. So könnten die Befragten unter anderem besser kontrollieren, wie und wann sie arbeiten. Diese Autonomie wirke sich auch positiv auf die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben aus.

Darüber hinaus gaben die Studienteilnehmer an, sich besser erholen zu können. Trotzdem zeigte sich bei den Einschätzungen zur eigenen Gesundheit eine leichte Verschlechterung. So wurden der eigene Optimismus oder das Gefühl, anderen Menschen nahe zu sein, klar geringer bewertet als vor einem Jahr. Zudem haben sich die Belastungen bei Erwerbstätigen, die zugleich kleine Kinder betreuen, leicht erhöht.

Für die Diskrepanz zwischen einer generell eher negativen Einschätzung der aktuellen Situation und den positiven Detailaspekten erklärt Brauchli, dass die Befragten möglicherweise angesichts der aus den Fugen geratenen Welt den eigenen positiven Gefühlen weniger Glauben schenken. Die Ergebnisse zeigten aber, dass sich "vor allem der Zuwachs an Flexibilität und Autonomie positiv auf ihr Wohlbefinden auszuwirken scheint".

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.