Sozialpolitischer Kommentar

Kommentieren sollte gestattet werden

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Zu den Grundprinzipien guter journalistischer Arbeit gehört, in einem Artikel nicht nur zu kritisieren, sondern den Kritisierten auch zu befragen und ihn dann direkt oder indirekt zu Wort kommen zu lassen. Es wäre gut, wenn dies auch bei der Bewertung von Krankenhausleistungen zum Tragen kommen könnte. Die Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DGK) diesbezüglich ist jedenfalls nachzuvollziehen. "Es wäre doch wichtig zu wissen, ob die Ursache für ein nicht erreichtes Qualitätsziel eines einzelnen Indikators vielleicht schon abgestellt worden ist oder ob es nur ein Dokumentationsfehler war. Viele Verunsicherungen könnten so vermieden werden", so DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sieht die Notwendigkeit nicht. Dabei hatte die DKG darauf hingewiesen, dass im vergangenen Jahr 1063 Krankenhäuser am Verfahren zu den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren teilgenommen hatten, es aber nur in 62 Krankenhäusern zu Abweichungen kam und zwar nur bei einzelnen Indikatoren. In 53 Krankenhäusern sei die Bewertung "unzureichender Qualität" auf Grundlage der Analyse von nur einem, zwei oder drei Fällen erfolgt.

Es ist gut, dass der G-BA die Ergebnisse der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren veröffentlichen muss, damit die Länder sich bei der Krankenhausplanung darauf beziehen können. Elf Qualitätsindikatoren aus den Bereichen gynäkologische Operationen, Geburtshilfe und Mammachirurgie gibt es. 66 statistische Auffälligkeiten in diesen Bereichen an insgesamt 62 Standorten wurden 2018 von Fachkommissionen und dem IQTIG als "unzureichende" Qualität eingestuft. Im Vorjahr waren dies 73. Wenn aber sogar die Unparteiische im G-BA, Prof. Dr. Elisabeth Pott, einlenkt, dass es auch bei diesem zweiten Bericht noch nicht möglich ist, "aufgrund einzelner Ergebnisse aus einzelnen Behandlungsbereichen auf die Qualität einer Krankenhausabteilung oder eines gesamten Krankenhauses zu schließen", könnte eine Kommentierung der jeweiligen Klinik vielleicht doch hilfreich sein – zumindest bis die angestrebte valide Informationsbasis tatsächlich vorliegt.

     

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