Sozialpolitischer Kommentar

Weitermachen und Lücken schließen  

Cornelia Kolbeck, Freie Journalistin für Medizin und Gesundheitspolitik

Und wieder einmal wurde nachgewiesen, dass die Telematik-Infrastruktur (TI) nicht sicher ist. Es sei gelungen, sich Zugangsberechtigungen für das sogenannte Telematik-Netzwerk zu verschaffen, meldete im Dezember der Chaos Computer Club. Es sei gelungen, sich gültige Heilberufsausweise, Praxisausweise, Konnektorkarten und Gesundheitskarten auf die Identitäten Dritter zu verschaffen und mit den Identitäten auf Anwendungen der Telematik-Infrastruktur und Gesundheitsdaten von Versicherten zugreifen. Von groben Mängel in den Zugangsprozessen wurde gesprochen.

Haben wir etwas Neues gelernt? Nein. Denn die TI kann – wie auch keine andere Online-Vernetzung weltweit – 100%igen Schutz gegen Hacker bieten. Absolute Sicherheit wurde auch nie proklamiert, denn wer sich heute mit aller kriminellen Energie unerlaubten Zugang zu geschützten Daten verschaffen will, der schafft das auch – bewiesen durch Hacking von Servern, in denen die Daten von Banken oder Krankenkassen gespeichert wurden. Aber sollte deshalb jetzt das Großprojekt der gematik infrage gestellt werden? Keinesfalls. Die Vorteile für Patienten und das Gesundheitswesen sind zu groß, um ungenutzt zu bleiben. Learning by doing muss es heißen. Zu hinterfragen wäre dabei zuerst, ob Ärzte und Einrichtungen wirklich alles tun, um Schlupflöcher zu schließen. Ein altes Sprichwort aus dem Computerbereich besagt: Der Fehler befindet sich vor dem Monitor. Heißt, der menschliche User ist das Problem, zumindest manchmal. Für die digitalen Netze im Gesundheitswesen trifft das auch zu. Fehler können passieren – durch die Wahl eines nicht entsprechend qualifizierten Servicetechnikers, oder Personal, welches sich nicht an Sicherheitsprotokolle hält. Und seien wir doch einmal ehrlich: Wir wünschen uns Datenschutz, aber praktisch gibt es bereits erhebliche Lücken – wenn z.B. der Praxistresen ans Wartezimmer grenzt und jeder mithören kann, warum Herr Müller beim Arzt vorsprechen will, wenn bei der Klinikvisite im 4-Bettzimmer lautstark Frau Schmidt gefragt wird, wann sie letztes Mal Stuhlgang hatte. Und nicht selten wägen Patienten inzwischen auch Nutzen gegen Datenschutz ab, wenn sie z.B. in Chats und Foren freimütig über ihre Krankheit und Behandlungsverläufe kommunizieren. Deshalb: Weitermachen und dabei Lücken schließen!    

     

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