Thema der Woche - 12. KW

Die Anwartschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung

Wer einmal in der gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied geworden ist, möchte das in der Regel auch gern bleiben. Manchmal ist es aber eine Frage der Beitragshöhe, insbesondere dann, wenn der Versicherungsschutz aktuell gar nicht benötigt wird, bzw. der Leistungsanspruch ruht. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit einer so genannten Anwartschaft. Damit wird die Mitgliedschaft bei der Krankenkasse aufrecht erhalten, allerdings ohne Leistungsansprüche. Dafür ist nur ein geringer Beitrag zu zahlen.

Von dieser Möglichkeit profitieren folgende Personenkreise:

  • Versicherte, die sich im Ausland aufhalten, insbesondere aus beruflichen Gründen
  • Personen, die nach dem Soldatengesetz eine gesetzliche Dienstpflicht oder Übung ableisten oder in einem Wehrdienstverhältnis besonderer Art nach § 6 des Einsatz-Weiterverwendungsgesetzes stehen
  • Personen, die nach dienstrechtlichen Vorschriften Anspruch auf Heilfürsorge haben
  • Entwicklungshelfer
  • Häftlinge
  • Seeleute, deren Leistungen nach dem Seemannsgesetz ruhen.

Voraussetzung ist in den meisten Fällen, dass der Leistungsanspruch für länger als drei Kalendermonate ruht. Durch die Anwartschaft bleibt gleichwohl die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten, so dass, wenn der Grund für das Ruhen des Leistungsanspruchs wegfällt, ein nahtloser Versicherungsschutz sichergestellt ist.

Erfasst von der Regelung werden darüber hinaus Versicherte, die für eine internationale Organisation innerhalb Deutschlands tätig werden und für die deshalb eine Absicherung nach internationalem Recht besteht.

Die Anwartschaft ist allerdings immer dann nicht möglich, wenn Familienangehörige mitversichert sind, für die weiterhin Leistungsansprüche bestehen. Während der Anwartschaft bestehen nämlich keinerlei Leistungsansprüche, auch nicht für Familienangehörige.

Die Beitragsentlastung geschieht dadurch, dass ein pauschales beitragspflichtiges Entgelt festgesetzt wird, ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Einkommensverhältnisse. Für die Beitragsberechnung zugrunde gelegt wird ein Betrag in Höhe von 10 Prozent der monatlichen Bezugsgröße. Diese beträgt im Jahr 2012 monatlich 2.625 Euro, also werden die Beiträge aus 262,50 Euro berechnet. Daraus ergibt sich ein Beitrag von 40,69 Euro. Hinzu kommt der Beitrag zur Pflegeversicherung, die aus dem selben Betrag berechnet wird. Hier sind es 5,12 Euro, bzw. 5,78 Euro für Kinderlose.

Der Vorteil: Zeiten der Anwartschaft gelten als vollwertige Versicherungszeiten, soweit etwa Vorversicherungszeiten für Leistungen der Pflegeversicherung erforderlich sind. Auch wenn in dieser Zeit nur ein ganz geringer Beitrag gezahlt wird.

Gerade bei einem vorübergehenden beruflich bedingten Auslandsaufenthalt macht die Anwartschaft besonderen Sinn: Zwar gibt es auch ein Beitrittsrecht innerhalb von zwei Monaten nach der Rückkehr aus dem Ausland, aber das setzt die erneute Aufnahme einer krankenversicherungsfreien Beschäftigung voraus. Ist das nicht möglich, etwa weil der Betroffene arbeitsunfähig krank zurückgekehrt ist, gibt es keine Mitgliedschaft und damit keinen Leistungsanspruch.

Eine Besonderheit gibt es allerdings bei einer Entsendung in einen anderen EU- oder EWR-Staat: Hier ist die Anwartschaft in der Regel ausgeschlossen, wenn die deutschen Rechtsvorschriften weitergelten. Wird die Versicherung hingegen nach ausländischem Recht durchgeführt, ist eine Anwartschaft nicht notwendig, da bei einer Rückkehr nach Deutschland die ausländischen Zeiten als Vorversicherungszeiten berücksichtigt werden und so eine nahtlose freiwillige Weiterversicherung möglich ist.

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